Warum das Lauf‑ABC überschätzt wird: Assoziatives Laufen als Schlüssel zu besserer Lauftechnik

Lauf-ABC (Running Drills) sind keine effektive Lehrmethode für eine bessere Lauftechnik.

Vergiss isolierte Drills: Lauftechnik entsteht im Laufen – nicht im Lauf‑ABC

Viele Läufer behandeln das Lauf‑ABC wie einen heiligen Gral. Unantastbar. Unhinterfragbar. Oder sie nutzen es gar nicht, was wohl auf die meisten zutrifft. Der Nutzen ist aber oft unumstritten. Doch genau diese scheinbare Einigkeit verhindert häufig die entscheidende Frage: Was davon wirkt wirklich – und was ist nur gewohnte Praxis ohne echten Einfluss auf die Lauftechnik?

Ein Ritual, das angeblich jede Lauftechnik verbessert – egal bei wem, egal wann, egal wie. Genau so wird das Lauf‑ABC oft dargestellt. Doch hier beginnt das Problem. Denn ein Großteil der klassischen Lauf‑ABC‑Übungen hat kaum einen Übertrag auf den realen Laufzyklus. Es sind isolierte Bewegungsmuster, die mit dem tatsächlichen Laufen nur wenig gemeinsam haben. Auch dann, wenn die Übungen direkt in das Laufen übergehen.

Heißt das, dass das Lauf‑ABC nutzlos ist? Nein. Heißt es, dass es nicht das leistet, was viele Trainer versprechen? Absolut.

Das Lauf‑ABC kann sinnvoll sein – aber nicht dort, wo es traditionell als Techniktraining eingesetzt wird. Viele Übungen aktivieren und rekrutieren lokale Muskelgruppen wie Fußheber, Wadenmuskulatur, Hüftbeuger oder Gluteus. Sie verbessern Spannungsaufbau, Koordination einzelner Segmente und neuromuskuläre Ansteuerung. Das ist wertvoll – aber es ist kein Lauftechnik‑Training. Das Lauf-ABC ist also ein reines Koordinationstraining ohne direkten Impact auf die Lauftechnik. Vielen Läufern fällt es übrigens schwer, die teils anspruchsvollen Drills korrekt auszuführen.

Gute Lauftechnik entsteht nicht in isolierten Drills, sondern im Laufen selbst: durch Rhythmus, Timing, Wahrnehmung, Entspannung und das Zusammenspiel der gesamten Bewegung. Genau hier setzt modernes, assoziatives Lauftraining an.

 

Lauf-ABC Techniktraining vs Assoziatives Laufen

Aus diesem Grund wirst du in meinen Seminaren keinerlei Elemente aus dem Lauf‑ABC wiederfinden. Wir benötigen sie schlicht nicht, weil wir uns auf andere Weise der für dich perfekten Lauftechnik annähern: Wir laufen! Grundprinzip des assoziativen Laufens ist, dass wir deine Technik dort entwickeln, wo sie tatsächlich entsteht – im unmittelbaren Erleben deiner eigenen Bewegung.

Das klingt viel komplizierter, als es ist. In Wahrheit musst du keine komplizierten Bewegungsabläufe und Drills aus dem Lauf‑ABC erlernen. Stattdessen schärfst du deine Wahrnehmung und spürst – weitgehend frei von Ablenkung – was in deinem Körper passiert, wenn wir anhand von sehr einfach zu merkenden inneren Bildern einzelne Aspekte deiner Bewegung verändern. Der Aha‑Effekt kommt sofort, das garantiere ich. Im Art of Running‑Seminar lernst du einen Basissatz an grundlegenden Bildern kennen, die dein Laufen nachhaltig verändern und dir jederzeit ermöglichen, dich selbst zu korrigieren.

Ist das ein ungewöhnlicher Ansatz, um deinen eigenen Laufstil zu optimieren? Ja, absolut. Und er ist so effektiv und gleichzeitig so einfach wie kein anderer. Du würdest dich wundern, wie viele Weltklasse‑Athleten mit solchen inneren Bildern arbeiten – und sie sogar während eines Wettkampfs abrufen, um möglichst ökonomisch und effizient zu laufen.

Warum ist diese Technik dann noch so unbekannt? Nun, wer verrät schon gerne das Geheimnis seines Erfolgs? Natürlich kann man auch auf anderen Wegen eine gute Lauftechnik entwickeln. Doch das assoziative Laufen ist vermutlich der sicherste und zugleich einfachste Weg dorthin. Vorausgesetzt, man weiß, wie es funktioniert.

 

Weiterführende Links

Assoziatives Laufen ist eine etablierte Aufmerksamkeits‑ und Wahrnehmungstechnik aus der Sportpsychologie, bei der Läufer ihren Fokus bewusst auf Körperempfindungen, Atmung und Bewegungsabläufe richten. Die Methode wird vor allem im Profilfeld der Lauftechnik‑Optimierung und Trainingssteuerung eingesetzt, ist jedoch außerhalb der Fachwelt noch wenig bekannt.